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Hilfe für Helfer

Informationen zum Thema Traumatisierung und Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen

Viele Geflüchtete haben in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht Gewalt erfahren. Ein Teil von ihnen leidet unter einer Traumatisierung. Was heißt das für die ehrenamtliche oder hauptamtliche Arbeit mit Geflüchteten? Dazu gibt es eine Reihe von Informationsmaterialien. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Studien zufolge haben Geflüchtete gegenüber der deutschen Mehrheitsgesellschaft ein zehnfach erhöhtes Risiko, Symptome einer so genannten Posttraumatischen Belastungsstörung zu erleiden. Dies liegt nicht nur daran, dass Geflüchtete häufig Gewalt erlebt haben, sondern dass sie hierzulande vielen Faktoren ausgesetzt sind, die die Entwicklung einer Traumatisierung begünstigen: Wer nicht weiß, ob er bleiben darf oder abgeschoben wird, wer in einer Unterkunft ohne Privatsphäre lebt, wer die Sprache nicht versteht, von seinen Freunden und seiner Familie getrennt ist und keine angemessene Behandlung erhält, hat ein höheres Risiko, dass sich aus einer traumatisierenden Erfahrung ein psychisches Leiden entwickelt. Auch deshalb ist es wichtig, dass Menschen, die Anzeichen einer Traumatisierung zeigen, möglichst bald qualifizierte Hilfe erhalten.

Zugleich sind nicht alle Menschen, die etwas Schlimmes erlebt haben, traumatisiert: Es wäre fatal, Geflüchteten pauschal zu unterstellen, sie litten unter traumabedingten psychischen Störungen. So wichtig es ist, dass Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Flüchtlingsarbeit darauf achten, ob Geflüchtete eventuell qualifizierte psychotherapeutische Unterstützung brauchen, ist es ebenso wichtig, dass Geflüchtete nicht durch Laien-Diagnosen als „traumatisiert“ stigmatisiert, als „psychisch krank“ entmündigt oder gar laienhaften Therapieversuchen unterzogen werden.

 

Einstieg: Hilfen für den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen

Einen guten ersten Einstieg in das Thema bietet das Handout »Hilfen für den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen«, von Ulrike Schneck von refugio Stuttgart. Es erklärt, was ein psychisches Trauma ist, beschreibt mögliche Folgen einer Traumatisierung und gibt wichtige Hinweise, was beim Umgang mit traumatisierten Menschen zu beachten ist – von der respektvollen Haltung (etwa: Betroffene sollen und dürfen selbst entscheiden, welche Hilfe sie annehmen wollen!) über hilfreiche Verhaltensweisen der Helfenden (etwa: Gesprächsangebote machen - nicht abwiegeln, aber auch nicht drängeln) bis hin zu Dingen, die man nicht tun sollte (z.B. alles genau wissen wollen). Das Handout geht auch knapp darauf ein, wie Helfende sich vor potentiellen Überforderungen schützen können.

Handout als PDF

 

Ratgeber für Flüchtlingshelfer: Wie kann ich traumatisierten Flüchtlingen helfen? 

Die Bundespsychotherapeutenkammer hat einen kompakten Ratgeber für Flüchtlingshelfer zum Umgang mit traumatisierten Personen herausgebracht. Auf 11 Seiten wird der Begriff Trauma erläutert und wie man als Flüchtlingshelfer mit traumatisierten Erwachsenen und Kindern umgehen kann.

Zum Ratgeber der Bundestherapeutenkammer (PDF, 10 Seiten)

 

Die richtigen qualifizierten Ansprechpartner*innen finden

Bei Fragen zum Thema Traumatisierung oder generell psychischen Leiden von Geflüchteten sollten sich Ehrenamtliche zunächst an hauptamtliche Ehrenamts-KoordinatorInnen vor Ort oder an geeignete lokale oder regionale Beratungsstellen wenden. Manche Asylberatungsstellen bieten Beratung zum Thema psychosoziale Unterstützung an oder können an geeignete lokale oder regionale Beratungsstellen weiterverweisen.

In vielen Regionen gibt es psychosoziale Zentren, die auf die Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen spezialisiert sind. Manche bieten Beratung für Ehrenamtliche an.

Übersichtskarte der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge

Die regionalen Psychosozialen Zentren sind über die „Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer“ (BAfF) miteinander vernetzt. Für Hauptamtliche wie etwa Sozialpädagogen oder die Leiter*innen von Integrationskursen bietet die BAfF Schulungen zum Thema Traumatisierung an. Als unabhängige Expert*innenstelle für das Thema psychosoziale Betreuung von Geflüchteten meldet sie sich auch politisch zu Wort.

Zur Website der BafF

 

BRK-Broschüre zum Thema Traumatisierung

Wie entsteht eine Traumatisierung, wie kann man eine Traumafolgestörung verhindern und was ist eine traumasensible Haltung? Wie können ehrenamtliche Sicherheit vermitteln und damit Stabilisierung fördern? Die Broschüre des Bayerischen Roten Kreuzes beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Traumatisierung für Flüchtlingshelfer*innen - und sie geht auch darauf ein,  wie sich ehrenamtliche oder hauptamtliche Helfer*innen vor Überlastung schützen und selbst Hilfe erhalten können

Mehr wissen, besser verstehen, bewusster handeln - Information für hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeitende, die mit traumatisierten Flüchtlingen zusammentreffen (PDF, 22 Seiten, Dezember 2016)

 

Wie organisiert man therapeutische Hilfe für Geflüchtete? Wer trägt die Kosten?

Die Beantragung ambulanter Psychotherapien für Geflüchtete beruht auf einem rechtlich komplexen System und sollte daher am besten von hauptamtlichem Personal übernommen werden. Denn ob eine Therapie finanziert wird und bei wem diese durchgeführt werden kann, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Zum einen ist dies auf PatientInnenseite abhängig vom Aufenthaltsstatus. Zum Teil ist außerdem die Dauer des Aufenthaltes in der Bundesrepublik maßgeblich.

Eine Arbeitshilfe der BAfF stellt dar, welchen Personen welche sozialrechtlichen Ansprüche zustehen und wie sich dies auf die Gesundheitsversorgung allgemein und insbesondere die Psychotherapie auswirkt. Dabei soll zudem auf die Voraussetzungen eingegangen werden, die PsychotherapeutInnen erfüllen müssen, um Geflüchtete zu behandeln.

Arbeitshilfe Therapiebeantragung für Geflüchtete (PDF)

Bei minderjährigen oder jungen volljährigen Geflüchteten gelten spezielle Regeln für die Beantragung psychologischer Hilfe. Eine Handreichung der Baff und des B-umF erklärt für Fälle unbegleiteter minderjähriger bzw. jungen volljähriger Geflüchteter wie auch für Fälle von begleiteten Minderjährigen bzw. jungen Volljährigen, welche Möglichkeiten der Kostenübernahme es gibt.

Arbeitshilfe Therapiebeantragung für minderjährige und junge volljährige Geflüchtete

 

Praktische Hilfe für Betroffene: Wie helfe ich meinem traumatisierten Kind? Ratgeber für geflüchtete Eltern

Viele Flüchtlingskinder haben in ihrer Heimat Krieg und Gewalt oder auf der Flucht schreckliche Ohnmacht und Ausgeliefertsein erlebt. Sie leiden oft noch lange an ihren traumatischen Erlebnissen und verhalten sich anders als die Eltern sie kennen. Der Ratgeber möchte den Eltern helfen, ihre Kinder besser zu verstehen. Er möchte sie dabei unterstützen, ihren psychisch belasteten oder erkrankten Kindern zu helfen, die schrecklichen Erlebnisse besser zu verarbeiten. Der Ratgeber zeigt aber auch auf, wann professionelle Hilfe gesucht werden muss.

Der Ratgeber der Bundespsychotherapeutenkammer steht hier in den Sprachen Deutsch, Englisch und Arabisch bereit.

 

Kritische Reflexion: Das Ehrenamt in der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen

Was ist die angemessene Rolle von Ehrenamtlichen in der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen? Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Frage findet sich in der BAfF-Stellungnahme mit dem Titel „Ein Jahr nach dem „Sommer der Solidarität“ – Was bewegte sich?“. Die Stellungnahme erinnert daran, dass sie Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen eine staatliche Aufgabe ist, die mit qualifiziertem hauptamtlichen Personal umgesetzt werden muss. Überlegungen zum Thema Laien-TherapeutInnen und TraumaberaterInnen werden vor diesem Hintergrund kritisch bewertet.

Zugleich zeigt die Stellungnahme auf, das das Ehrenamt im psychosozialen Bereicht hinsichtlich der Stabilisierung von Menschen mit Fluchterfahrungen eine große Unterstützung sein kann - Ehrenamtliche können damit auch im psychosozialen Bereich sehr wichtige und notwendige ressourcenorientierte und stabilisierende Arbeit leisten, die die hauptamtliche Arbeit der TherapeutInnen und SozialarbeiterInnen gut ergänzt, wenn die Ehrenamtlichen entsprechende Qualifikationsangebote erhalten.

Stellungnahme der BAfF

 

Überblick für Expert*innen: Versorgungsbericht Zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern

Der Versorgungsbericht der Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.) geht der Frage nach, inwieweit für Geflüchtete, die mit psychischen Belastungen kämpfen, auf dem Versorgungsgebiet Deutschlands bedarfsgerechte Behandlungsangebote zugänglich, verfügbar und tatsächlich erreichbar sind. Er bietet einen detaillierten Überblick über die Arbeit der psychosozialen Zentren.

BAfF-Versorgungsbericht (3. Auflage)

Ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen

Pro Asyl hat Informationen über Initiativen und Tipps für die Unterstützung von Flüchtlingen auf der Webseite "Ehrenamtliches Engagament" zusammengestellt. Die Seite enthält u.a. eine Deutschlandkarte und viele Regionalkarten mit Initiativen.

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