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für Engagierte

Was tun gegen Gewalt? Gewaltschutz und Hilfsangebote

Wie kann Gewalt in Flüchtlingsunterkünften verhindert werden? Und was ist zu tun, wenn Geflüchtete etwa in einer Flüchtlingsunterkunft Gewalt erfahren oder Geflüchtete Opfer häuslicher Gewalt werden? Wie können Geflüchtete hierzulande effektiv vor Gewalt geschützt werden – insbesondere Frauen, Kinder und andere besonders schutzbedürftige Gruppen? Wir sammeln dazu Handreichungen und Hinweise.

Gewaltschutzkonzepte für Flüchtlingsunterkünfte

In Flüchtlingsunterkünften leben verschiedenste Menschen auf engem Raum, viele von Ihnen leiden unter traumatischen Erfahrungen, unter der mangelnden Privatsphäre, unter der strukturellen Fremdbestimmtheit durch die Art und Weise ihrer Unterbringung und unter ihrer oft ungewissen Zukunft. Das kann zu Aggressionen führen. Schon wenige zu Gewalttätigkeit neigende Personen können in Unterkünften massive Probleme verursachen, unter denen dann vor allem jene leiden, die sich schwer selbst gegen Gewalt und Übergriffe wehren können, zum Beispiel Frauen, Minderjährige und andere besonders schutzbedürftige Geflüchtete.

Mittlerweile gibt es so genannte „Gewaltschutzkonzepte“ - also Maßnahmenbündel, die Gewalt verhindern und Gewaltopfer schützen sollen. Die Verantwortung dafür, dass Gewaltschutzkonzepte angemessen umgesetzt werden, liegt bei den hauptamtlichen Leitungen der jeweiligen Unterkunft. Aber auch für Ehrenamtliche kann es hilfreich sein, Gewaltschutzkonzepte zu kennen - auch um zu wissen, dass es in jeder Unterkunft klar benannte Ansprechpartner für Opfer gewalttätiger Übergriffe oder sexualisierter Gewalt geben muss.

 

Arbeitshilfe „Empfehlungen an ein Gewaltschutzkonzept zum Schutz von Frauen und Kindern vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften“

Die Broschüre des Paritätischen Wohlfahrtsverband buchstabiert auf rund zehn Seiten praktisch aus, wie in Unterkünften ein Gewaltschutzkonzept verankert werden kann. Die Empfehlungen sind etwas praxisnäher formuliert als die im Folgenden dargestellten „Mindeststandards zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen in Flüchtlingsunterkünften“.

Arbeitshilfe "Empfehlungen an ein Gewaltschutzkonzept" (PDF, 14 Seiten)

 

Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften

Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche (BMFSF-J) und UNICEF 2016 initiierte und im Juni 2017 stark überarbeitete Broschüre formuliert Leitlinien für die Erstellung und Umsetzung von einrichtungsinternen Schutzkonzepten, die in jeder Form von Flüchtlingsunterkünften gelten müssen. Dabei werden sechs Mindeststandards definiert: Ein "einrichungsinternes Schutzkonzept", ein Mindeststandard bezüglich des Personals und des Personalmanagements, ein Mindeststandard in Bezug auf interne Strukturen und externe Kooperation, ein Mindeststandard zum Umgang mit Gewalt und Gefährdungssituationen (Risikomanagement), ein Mindeststandard in Bezug auf menschenwürdige, schützende und fördernde Rahmenbedingungen und ein Mindeststandard bezüglich eines Monitorings, das überprüft, in das Schutzkonzept angemessen umgesetzt wird.

Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften (Juni 2017, 50 Seiten)

 

Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt in Flüchtlingsunterkünften

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat eine Checkliste veröffentlicht, was in Flüchtlingsunterkünften zum Schutz von Kindern unabdingbar ist. Die Checkliste enthält in knapper Form die wichtigen Fragen - etwa ob eine Ansprechperson benannt ist, an die sich Betroffene oder Zeugen beim Verdacht auf Kindesmissbrauche wenden können.

Checkliste Mindeststandards zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt (PDF)

 

Schutz von Menschen verschiedener sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität

Der Arbeiter-Samariter-Bund hat eine Handreichung für die Betreuung und Unterstützung von LSBTTI*-Flüchtlingen herausgegeben, die praxisnahe Tipps zum Schutz von Menschen gibt, die von homo- oder transphoben Übergriffen bedroht sind.

Handreichung für die Betreuung und Unterstützung von LSBTTI*-Flüchtlingen (PDF, 20 Seiten, Januar 2016)

 

=> Weitere Materialien zum Thema Gewaltschutz finden sich auf dieser Website des Thüringer Flüchtlingsrats

 

Schutz und Hilfe bei (häuslicher) Gewalt

 

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die unter Gewalt leiden. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung können Betroffene unterstützt werden – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freund-/innen sowie Fachkräfte werden anonym und kostenfrei beraten. Hier gibt es Infos des Hilfetelefons in 17 Sprachen.

www.hilfetelefon.de

 

Mehrsprachige Informationen und Hilfe zum Thema Häuslicher Gewalt

Was ist Häusliche Gewalt? Was kann man tun, wenn man Zeuge oder Opfer häuslicher Gewalt wird? Der Arbeitskreis neue Erziehung (ANE e.V.) hat unter dem Titel „Kinder leiden mit - Rat und Hilfe bei häuslicher Gewalt“ ein mehrsprachiges  Informationsblatt herausgegeben, das auch Notfallnummern enthält, an die man sich wenden kann. Das Informationsblatt gibt es auf Deutsch, Arabisch, Russisch und Türkisch.

Zum Informationsblatt „Kinder leiden mit“

 

 

Mehr zum Thema Gewalt:

Beitrag auf Fluechtlingshelfer.info: Was tun bei rechter Gewalt und Einschüchterungsversuchen?