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Warum das DRK Hessen auf Facebook auch auf englisch und arabisch postet

Viele Initiativen in der Geflüchtetenarbeit nutzen Facebook, um neue Ehrenamtliche zu erreichen und bereits tätige Ehrenamtliche zu vernetzen. Eine Zielgruppe, die über Facebook sehr effektiv zu erreichen ist, wird dabei allerdings noch manchmal vergessen: Die Geflüchteten!

Viele Geflüchtete sind Profis in Sachen digitaler Informationsbeschaffung. Manche haben ihre strapaziöse Flucht nicht zuletzt dank der Hilfe ihrer Smartphones bewältigt - haben sich auf Facebook-Seiten oder Whatsapp-Gruppen über mögliche Routen ausgetauscht, mit Google Maps durch unwegsames Gelände navigiert und sich, einmal angekommen, hierzulande die ersten Wörter mit Sprachlern-Apps beigebracht. Auf Facebook existieren entsprechend Seiten und Gruppen mit Hunderttausenden Abonnenten, bei denen sich alles darum dreht, wie man in Deutschland am besten Fuß fassen kann: Von aufenthaltsrechtlichen Fragen über die Wohnungssuche bis zur Arbeitssuche. Kein Wunder, dass fast alle Geflüchteten auf Facebook aktiv sind - auch um in Kontakt zu bleiben mit Freunden und Angehörigen.

Auch viele der Projekte und Initiativen, die Geflüchtete unterstützen, haben eigene Facebook-Seiten. Aber aufgrund der Sprachbarrieren erreichen diese Kommunikations- und Informationsangebote meist allein die ehrenamtlichen Unterstützer von Geflüchteten, nicht aber Geflüchtete. So bleiben die Geflüchteten und die Ehrenamtlichen auf Facebook jeweils unter sich - was bedauerlich ist. Die Facebook-Seite der DRK Hessen @DRKMigration bietet daher in Zusammenarbeit mit Geflüchteten mehrsprachige Postings an.

"Unsere Zielgruppe ist gemischt", sagt Omar Al Turaihi, der die Facebook-Seite mitbetreut und die Postings auf arabisch verfasst. "Wir wollen unter anderem arabisch sprechende Geflüchtete, Menschen aus afrikanischen Herkunfsländern und viele andere erreichen - also verfassen wir unsere Postings auf Deutsch, Englisch und Arabisch, damit sie uns alle verstehen." Zwar sei die Zahl der Follower der Seite noch klein, aber die Postings würden oft geteilt und bekämen gutes Feedback. „Viele Geflüchtete informieren sich online – wenn sie unsere Informationen nicht verstehen, wäre das schade“.

Renate Kochenrath, die das Projekt betreut, sieht auch einen Vorteil für die Ehrenamtlichen: „Sie haben den Vorteil, dass sie interessante Informationen direkt an die von ihnen begleiteten Menschen weiterleiten können, ohne sie selbst übersetzen zu müssen.“ Geflüchtete könnten sich dank der mehrsprachigen Postings nicht nur selbst Informationen besorgen, sondern „auch das DRK ein bisschen kennenlernen“, sagt Kochenrath. Damit kann die mehrsprachige Kommunikation Geflüchteten auch die Partizipation in den Strukturen der ehrenamtlichen Arbeit erleichtern.

Allerdings ist es nicht immer unkompliziert realisierbar, Informationen für Ehrenamtliche und Geflüchtete in mehreren Sprachen zugleich zu verbreiten. Aber wo immer die Möglichkeit besteht, Geflüchtete in die Facebook-Kommunikation einzubinden, lohnt sich der Versuch.

Projektkarte

Ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer BAfF e.V. hat im September 2016 ein Positionspapier zum ehrenamtlichen Engagement in der psychosozialen Flüchtlingsarbeit veröffentlicht: "Ein Jahr nach dem 'Sommer der Solidarität' – Was bewegte sich? - Ehrenamt in der psychosozialen Arbeit mit Geflüchteten: Zwischen praktischer Unterstützungsarbeit und politischer Verantwortung".

Es ist sowohl eine fachliche als auch eine politische Auseinandersetzung über die gesellschaftliche Rolle des Ehrenamtes im Allgemeinen und die Rolle ehrenamtlicher Laien in der psychosozialen Arbeit mit Flüchtlingen im Besonderen.

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